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Modell1Die Schülerfirma „Dioramenbau“ der Ganztagshauptschule (GTHS) Aldenhoven

Wir schreiben den 26.03.07. Gespannt erwarten um 19.30 Uhr viele Schülerinnen und Schüler unserer Schule die „Lokalzeit aus Aachen“. Die Sendung beginnt. Nach einigen Minuten erfolgt die Anmoderation zu dem Bericht über eine ungewöhnliche „Firma“:
„Das hätten sich die Schüler der Ganztagshauptschule in Aldenhoven sicher nicht träumen lassen, dass sie mit ihrem kleinen Modellbauunternehmen so erfolgreich werden... “
So wurde der Fernsehbeitrag über unsere Schülerfirma „Dioramenbau“ von der Moderatorin angekündigt, eine noch junge „Firma“, die erst im Mai 2006 gegründet wurde.
Bis zu dieser Firmengründung war es ein langer Weg, der vor fast 25 Jahren begann.

Entstehungsgeschichte oder der Blick zurück

Seit 1983 existiert an der GHS Aldenhoven (seit August 2006 sind wir eine GTHS) eine Modellbahn-Arbeitsgemeinschaft. Initiator dieser AG war der Verfasser dieses Berichtes, selbst ein begeisterter Modellbauer und Modelleisenbahner.

Diese Arbeitsgemeinschaft wurde damals neben anderen Aktivitäten im Rahmen des „Erweiterten Bildungsangebotes“ (EBA) an der Gemeinschaftshauptschule Aldenhoven eingerichtet.

Das EBA in der eigentlichen Form existiert schon lange nicht mehr. Die Arbeitsgemeinschaften bestehen aber weiterhin. Sie sind fester Bestandteil der Nachmittagsbetreuung unserer Schule. Dieses Betreuungsangebot - mittlerweile auch ein fester Bestandteil unseres neuen Ganztagskonzeptes - wird u. a. finanziell durch die Gemeinde Aldenhoven unterstützt.

Im Einzelnen handelt es sich dabei um Arbeitsgemeinschaften, hauptsächlich aus dem Hobby- sowie aus dem Sport-Bereich. Ziel dieser Arbeitsgemeinschaften war und ist es, Kindern und Jugendlichen nachmittags ein attraktives Freizeitangebot zu bieten.
Unsere Modellbahn AG war und ist nicht nur attraktiv (die große Nachfrage und die langen Wartelisten belegen dies) sondern auch auf vielfältiger Weise sehr erfolgreich. Schon seit Jahren nimmt die Arbeitsgemeinschaft an verschiedenen nationalen und internationalen Wettbewerben teil und errang auch mehrere Preise:
- So gewann sie z. B. einen der ersten Preise im Rahmen eines Wettbewerbs der damaligen Deutschen Bundesbahn anlässlich des 150-jährigen Bestehens der deutschen Eisenbahnen.
- 1987 erreichte die Schüler-AG einen 2. Platz auf regionaler Ebene. Sie trat damals schon gegen erfahrene Modellbauer an.
Die wohl größte Anerkennung erhielt aber diese Schülerarbeitsgemeinschaft anlässlich der Modellbahn 98 in Köln. Sie konnte dort im Rahmen der Initiative „Modellbahn und Schule“ einen 30 !! Quadratmeter großen Stand nach eigenen Vorstellungen gestalten und ihr Können vor einem internationalen Messepublikum präsentieren. Vor den A

Denkmal

ugen staunender Messebesucher erstellten eine Schülerin und mehrere Schüler in Anlehnung an die Zuckerfabriken in Jülich und Ameln das Diorama „Zuckerfabrik“, über das eine große Fachzeitschrift (Eisenbahnkurier) ausführlich berichtete.
Inzwischen ist diese Modellbahn-AG mit ihren Standaktivitäten regelmäßig ein gern gesehener Gast auf diversen Modellbahn-Ausstellungen. Hier sind nur einige aufgeführt:
- Im Jahr 2000 war die AG mit einigen Exponaten zu Gast bei der Selfkantbahn.
- 2001 nahm sie an der Ausstellung anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Jülicher Eisenbahnclubs teil.
- 2001 war die Arbeitsgemeinschaft mit drei Modulen auf der internationalen Modellbahn-Messe in München vertreten. Dort wurden diese drei Module der GHS Aldenhoven mit einem hervorragenden 10. Platz (unter 252 Mitbewerbern) ausgezeichnet.
- 2003 und 2005 nahm sie an den Euregio-Ausstellungen des MEC Aachen in Aachen mit mehreren Dioramen und Modulen sowie mit Workshops teil.
- 2004 wurden drei Dioramen der Hauptschule Aldenhoven auf der Intermodellbau in Dortmund mit einem Sonderpreis für Schülerinnen und Schüler ausgezeichnet.
- Inzwischen wurden die Dioramen unserer Modellbau-Arbeitsgemeinschaft im „Erwachsenen-Wettbewerb“ 2006 und 2007 auf der Intermodellbau mit vierten und fünften Plätzen ausgezeichnet.
- 2006 fand in den Räumen des Verbandswasserwerkes Aldenhoven eine überregionale Ausstellung unserer Schule zum Thema „Kunst macht Schule – Schule macht Kunst und Modellbau“ statt, an der auch die Modellbahn-AG mit vielen Exponaten teilnahm, u. a. mit dem Modell der ehemaligen Zeche „Emil Mayrisch“ aus Aldenhoven-Siersdorf.

Besondere Ereignisse beschleunigen die Firmengründung

Kehren wir nun zum eigentlich Grund dieses Rückblickes zurück. Im Jahr 2005 überschlugen sich die Ereignisse. Sie waren – und das war damals noch nicht absehbar – der zündende Funke zur Idee, eine Schülerfirma zu gründen.
Anlässlich unserer Präsentation auf der Modellbahnausstellung Mitte Juni 2005 in Aachen besuchten uns u. a. die Firmeninhaber des Modellbahn-Centers Hünerbein. Sie waren von den Leistungen – wie auch andere Ausstellungsbesucher – der Schülerinnen und Schüler so sehr beeindruckt, dass sie uns ein größeres Kooperationsangebot machten. Im Einzelnen sollte die Zusammenarbeit wie folgt aussehen:
  • Exponate der Modellbahn-AG werden im Schaufenster des Fachgeschäftes mehrere Monate lang präsentiert.
  • Im Oktober 2005 findet mit dem „Messeteam“ der GHS Aldenhoven im Modellbahn-Center Hünerbein ein Workshop für Kinder und Erwachsene statt.
    (Die Schülerinnen und Schüler erhalten ein kleines Honorar.)
  • Kontakte zu diversen Modellbau- und Modellbahn-Herstellern werden hergestellt.
Parallel dazu trat etwas völlig Unerwartetes - und für alle Beteiligten geradezu Sensationelles - ein:
Unsere Modellbahn-AG hatte sich mittlerweile durch sehr viele Veröffentlichungen und Presseberichte (u. a. im Rahmen der diversen Preisverleihungen) bundesweit einen Namen gemacht. So war es im Nachhinein nicht verwunderlich, dass wir vor den Sommerferien 2005 vom Landeskoordinator „Modellbau und Schule“ im Auftrag des Schulministeriums bezüglich einer Teilnahme am bundesweiten SINUS-Transfer (SINUS = Steigerung der Effizienz des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts) Projekt angesprochen wurden.

Seit 2005 sind wir nun – und darauf sind wir besonders stolz - eine der bundesweiten 9 Modellbau/Modellbahn-Schulen des Schulministeriums NRW. Unser Auftrag ist es, diverse Projekte zu erarbeiten und auszuprobieren, bei denen exemplarisch aufgezeigt wird, wie sich die Modelleisenbahn in den Unterricht von Schulen und in den Ganztagsbereich integrieren lässt. (Anm.: Seit 2002 sind wir außerdem eine der wenigen Hauptschulen in Deutschland, die bereits am bundesweiten SINUS-Transfer-Projekt im Bereich Naturwissenschaften teilnehmen. Unser Kooperationspartner ist das FZ Jülich [JULAB].)

Modellbahn und Schule aus einer neuen Blickrichtung

Beschäftigt man sich mit dem Thema „Modelleisenbahn“ und Schule etwas intensiver, so wird man feststellen, dass die Modellbahn die Schülerinnen und Schüler mit vielen unterschiedlichen Gebieten zusammenbringen kann. Im Einzelnen werden z. B. folgende Bereiche angesprochen, die diversen Unterrichtsfächern zuzuordnen sind:
  • Planung und Konstruieren (Mathematik, Technik)
  • Computertechnik bei der Planung und Steuerung (Technik, Physik);
  • Elektrizitätslehre, Elektrotechnik und Elektronik beim Aufbau, bei der Schaltung etc.(Physik);
  • Feinmechanik beim Selbstbau von Gebäuden und Fahrzeugen (Technik);
  • Holzbearbeitung und Fügetechniken beim Bau des Unterbaues etc. (Technik, Chemie);
  • Klebetechniken (Chemie);
  • Einsatz von Farben, Patinieren etc. (Kunst, Chemie);
  • Eigenschaften von Kunststoffen (Chemie Physik);
  • Landschaftsbau – ein Abbild der Natur (Biologie, Erdkunde, Physik (z. B. Elektrostatik));
  • Epochen – Zeitgeschichte, Baustile etc. (Geschichte);
  • Stoffkreisläufe – Aufbereitung von Rohstoffen etc. (Verfahrenstechnik, Chemie).
Wie diese Stoffgebiete miteinander vernetzt sind, zeigen die entsprechenden Mind-Maps auf unserer Homepage auf dem Bildungsserver

http://www.learn-line.nrw.de/angebote/sinus/projektnw/modellbau/aldenhoven/index.html .

Bei der unterrichtlichen Umsetzung zeigte sich, dass mit Hilfe des Modellbahnbaues die Schülerinnen und Schüler diverse Schlüsselqualifikationen erwerben können, die für das spätere Berufsleben von größter Bedeutung sind. Um welche Qualifikationen es sich handelt zeigt folgende Übersicht.
Diora img11

Der Entschluss: Wir gründen eine Schülerfirma!
Modellbahn, Schule und Beruf!? Eine interessante Kombination. Mit Hilfe der Modellbahn „spielend“ auf den Beruf vorbereiten?! Eine reizvolle Perspektive, zumal wir von der Firma Hünerbein einen weiteren Auftrag erhielten:

Es sollten von unserer Modellbahn-AG verschiedene Landschaftsdioramen als Schaufensterdekorationen mit bestimmten Produkten (hier mit „Natur pur“-Produkten von der Firma „Busch“) hergestellt werden. Parallel erhielten wir Kooperationsangebote der Fimen Noch und Heki, Bastelsets etc. für die Mittags- und Nachmittagsbetreuung an Ganztagsschulen zu entwickeln. Das Geschäft boomt!! Aber wie vermarkten wir uns?

So kamen wir auf die Idee, auf Basis der Arbeitsgemeinschaft eine Schülerfirma zu gründen (s. folgende Abbildung).

Diora img12

Eine Schülerfirma!? Was ist das eigentlich?

Es handelt sich dabei um Schulprojekte, in denen Schülerinnen und Schüler u. a. Produkte herstellen und vermarkten oder Dienstleistungen anbieten. Dabei ist jedoch stets zu beachten, dass es sich dabei nicht um reale Firmen handelt. Vielmehr handelt es sich bei Schülerfirmen um verschiedene pädagogische Projekte, die sich zwar an wirklichen Unternehmensformen orientieren, jedoch nur geringen Umsatz und Logoimg18Gewinn machen. In erster Linie sind Kreativität beim Entwickeln einer Geschäftsidee gefragt - Schülerfirmen sollen nämlich in erster Linie Spaß machen und das Interesse für die Berufs- und Arbeitswelt „spielerisch“ entwickeln .

Eine Firma benötigt aber neben der Geschäftsidee zur Vermarktung auch ein Logo.

Unsere Modellbahn-AG besaß bereits ein Logo mit einer alten „Bimmelbahn“, das – im wahrsten Sinne des Wortes - in die Jahre gekommen war. Im Zeitalter der Höchstgeschwindigkeitszüge gehören moderne Eisenbahnen auf ein Logo; außerdem der Firmenname sowie das Wappen und die Farben Aldenhovens, unser Schulname und natürlich das SINUS-Transfer Logo, das wir voller Stolz schon seit 2002 im Briefkopf unserer Schule führen dürfen. Aus mehreren Entwürfen, die die Schülerinnen und Schüler mit entsprechender Hilfe am Computer nach und nach entwickelt hatten, wurde das folgende Logo ausgewählt.

Dann strukturierten wir unsere Schülerfirma entsprechend. So gibt es z. B.

  • eine „Geschäftsführung“ mit Firmensprecherin,
  • eine Planungsabteilung,
  • Abteilungen für Holzbearbeitungen, Elektrik – Elektronik, Kunst und Design,
  • Abteilungen für Modellbau und Landschaftsgestaltung,
  • eine Werbeabteilung.
Diora dior_struk

An dieser Schülerfirma arbeiten also nicht nur reine „Modelleisenbahner(innen)“ mit, sondern z. B. auch „Tischler“, „Elektriker“, „Computerfachleute“ und „Künstler(innen), die von Fachleuten entsprechend angeleitet werden. So kooperieren wir ab Herbst 2007 mit einer Firma für digitale Steuerungen. Außerdem gibt es eine „Messecrew“ sowie eine „Workshopcrew“ mit dazugehörigem Outfit.

Vor einem Jahr haben wir unsere Schülerfirma gegründet und seitdem bekommen wir einen Auftrag nach dem anderen:

 

  • Schaufensterdekorationen als Werbeträger für diverse Modellbahn-/Modellbau-Produkte;
  • Funktionsdioramen für das FZ Jülich (JULAB);
  • Aufbereitung von Dioramen für Heimatmuseen;
  • Durchführung eines Workshops im Rahmen der Modellbautage im Oktober 2007 in Aachen;
  • Entwicklung von Modellbau-Sets für diverse Modellbauunternehmen (Faller, Heki, Noch und Busch) mit entsprechenden Arbeitsblättern;
  • Herstellung einer Schaufenster-Modellbahnanlage „Winterlandschaft“ für das Weihnachtsgeschäft der Firma Hünerbein;
  • Anfertigen einer Internetpräsentation „Gebirgslandschaft“ mit digitaler Bastelanleitung für die Firma Busch.
    www.wie-baut-man-einen-berg.de
  • Neues Kooperationsangebot der Firma Faller (Bau einer Kirmesanlage als Schaufensterdekoration (Fertigstellung Sommer 2008).
Firmenclip_image008
Perspektiven für die nächsten Jahre

Im November 2008 werden wir im Auftrag und in Kooperation mit der Firma Noch auf der internationalen Modellbauausstellung in Köln an allen Tagen einen Workshop für Erwachsene und Kinder durchführen. Diese Messepräsentation inklusive Eigenwerbung muss intensiv vorbereitet werden.
www.noch.de

Den ersten Firmenkatalog hat unsere Werbeabteilung bereits fertiggestellt und unseren „Stammkunden“ sowie potentiellen Kunden auf der Spielwarenmesse 2007 in Nürnberg überreicht (Anm.: Inzwischen haben wir Anfragen von weiteren Firmen aus der Modellbahnbranche erhalten.). Außerdem muss demnächst unser neues Schulmuseum im Ludwig-Gall Haus mit diversen Modellbahn Exponaten u.a. mit der zweiten Ausbaustufe des Modells der Zeche „Emil Mayrisch“ ausgestattet werden.

Unsere Modellbahn-Arbeitsgemeinschaft wird aber trotz allen „Firmenstresses“ weiterhin aktiv bleiben. Eines soll nämlich nicht übersehen und vor allem nicht vergessen werden: Die Modelleisenbahn ist und bleibt auch im Computerzeitalter noch eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, der man viele, besonders auch für Jugendliche interessante Seiten (Planen, Konstruieren, Bauen, Gestalten, Schalten, Funktionieren ...) abgewinnen kann. Hinzu kommt, dass die Modelleisenbahn und der Modelleisenbahnbau geradezu ideale Objekte sind, um die Teamfähigkeit auch im Freizeitbereich zu schulen und zu trainieren.